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Quo vadis, Profi-Eishockey in Heilbronn?

· FasziHNation · 7 Min. Lesezeit

Quo vadis, Profi-Eishockey in Heilbronn?

Neben den sportlichen Diskussionen dominiert vor allem ein Thema die Diskussionen in der Fanlandschaft sowie den Medien – der Neubau des Eisstadions. Eine Diskussion, die schon lange emotional geführt wird, weil die Defizite der aktuellen Stadioninfrastruktur so offensichtlich sind und nicht nur den Stadionbesuch am Profi-Standort Heilbronn behindern, sondern auch die Jugendarbeit ein Level erreicht hat, an dem es nicht mehr weiter vorangehen kann.

Die Eckdaten

Standort
neben dem Frankenstadion
Haupthalle
mind. 3.000 Plätze + Trainingshalle
Kosten
52 Mio. Euro
Fertigstellung
Ende 2032

Die Pläne der Stadt

Da kommen dem Eishockey-Fan die Pläne der Stadt mit dem Grundstück eigentlich gelegen, denn so besteht ein Grund und auch die finanziellen Mittel, um ein neues Eisstadion, dass dem gehemmten Standort zweifellos einen neuen Schwung verleihen kann, zu realisieren. Fest steht aktuell noch recht wenig, der Stadtrat hat bisher lediglich beschlossen, dass der favorisierte Standort des Stadions neben dem Frankenstadion unweit der Theresienwiese liegt, Einzelheiten des Baus sollen in enger Abstimmung mit den beteiligten Parteien erarbeitet werden. Als favorisierte Variante der Stadtverwaltung ließ diese ein Paket mit einer Haupthalle mit mindestens 3000 Plätzen (mit eventueller späterer Ausbaumöglichkeit) sowie einer Trainingshalle, die insbesondere für die Jugend elementar ist, durchblicken – geschätzter Kostenpunkt: 52 Mio. Euro.

Als diese Kapazität von 3000 Plätzen das erste Mal öffentlich wurde, waren viele Fans überrascht: zum einen würde das eine Verkleinerung der Kapazität im Vergleich zum Status Quo darstellen und zum anderen wird angeführt, dass andere Beispiele zeigen, dass moderne Stadien in diesen Zuschauerregionen insbesondere an ambitionierten Standorten (wie zum Beispiel in Kaufbeuren) bereits jetzt als zu klein erachtet werden.

DEL2-Ambition vs. Oberliga-Realität

Laut eigener Aussage sieht Kai Sellers als Geschäftsführer der neuen HEC-Falken und 1. Vorstand des Heilbronner Eishockeyclub Eisbären e.V. in Heilbronn mittelfristig eher einen DEL2-Standort als einen Oberliga-Standort. Die logische Folge wäre es daher aus meiner Sicht, die eingebrachten Stadionpläne an diese Zielsetzung anzupassen und weniger an den aktuellen Zustand, insbesondere, wenn man bedenkt, dass es noch mindestens 6 Jahre dauern wird, bis diese Halle fertig gebaut ist.

Was die Verantwortlichen sagen

Diese Vorgehensweise scheint jedoch, zumindest lässt der Blick auf die Kommunikation zu diesem Thema in der Heilbronner Stimme1 dies vermuten, nicht verfolgt zu werden. So wird Kai Sellers zu dem Thema wie folgt in der Stimme zitiert:

Wir spielen gerade Oberliga, da ist es eine Zuschauerkapazität von 3.000 ausreichend. Es heißt ja, dass es Ausbaustufen geben soll. Kai Sellers, Geschäftsführer HEC-Falken1

Weiterhin äußert er sich zu diesem Thema wie folgt:

Trotz aller Euphorie müssen wir die Fakten sehen. Wir spielen aktuell nur Oberliga. Ich sehe eine neue Arena mit einer Kapazität von 4.000 Plätzen überhaupt nicht. Kai Sellers, Geschäftsführer HEC-Falken1

Als Argument für diese Sichtweise führt er vor allem die Stimmung an:

Wenn wir jetzt schon eine Halle für 6.000 Zuschauer hätten, könnte es eher kontraproduktiv sein. Dann hätten wir keine Stimmung. Kai Sellers, Geschäftsführer HEC-Falken1

Diese Einstellung scheint nicht nur mich und viele diskussionsfreudige Fans zu verwundern, sondern auch die Verantwortlichen der Stadtverwaltung. So wird Dominik Buchta, seines Zeichens Geschäftsführer der Stadtsiedlung, wie folgt zitiert:

Wir sehen die perspektive Notwendigkeit, dass man darüber nachdenken muss, DEL spielen zu können. Dominik Buchta, Geschäftsführer Stadtsiedlung1

Weiterhin zitiert die Heilbronner Stimme Sport-Bürgermeisterin Agnes Christner im selben Artikel wie folgt:

Wir richten uns daran aus, was jetzt die Nutzung dominiert. Wir wollen aber nichts bauen, was zu klein ist, wenn es in Betrieb genommen wird. Agnes Christner, Sport-Bürgermeisterin1

Der Kern des Problems

Und hier liegt doch der eigentliche Kern des Problems: wenn Kai Sellers sagt, dass eine Zuschauerkapazität von 3.000 die aktuellen Bedürfnisse befriedigen würde, ist das sicher eine zutreffende Feststellung hinsichtlich eines Zuschauerschnitts von 1700-1900 in den vergangenen Jahren. Wobei auch diese Zahlen nicht schwarz-weiß zu betrachten sind, sondern einer Einordnung bedürfen: mit diesem Zuschauerschnitt bewegt man sich auf einem Level mit einigen Saisons in der DEL2, sodass der Rückschluss naheliegt, dass auch hier der später noch genauer beschriebene Trend sich fortsetzt und das selbst in der sportlich „unattraktiveren" Oberliga, in der die Gegner weniger attraktiv sind und auch die Zahl der Auswärtsfahrer in der Oberliga im Vergleich zur DEL2 deutlich niedriger ist.

Zur Einordnung

Ein Zuschauerschnitt von 1.700–1.900 bewegt sich bereits auf dem Niveau einiger DEL2-Saisons – trotz der sportlich unattraktiveren Oberliga.

Weiterhin spielt dabei auch das Stadion selbst eine Rolle, neben der Problematik des fehlenden Komforts im Allgemeinen wird der Stadionbesuch ab einer gewissen Zuschauerzahl (erfahrungsgemäß ab etwas über 2000 Zuschauern) zur planerischen Abiturprüfung, denn überall sind lange Wartezeiten sowie Platzprobleme vorprogrammiert. Was für jüngere Leute schon störend ist, wird insbesondere für ältere Fans zum KO-Kriterium und hat so unmittelbaren Einfluss auf den Zuschauerschnitt, ganz unabhängig von dem sportlich dargebotenem, was natürlich auch ein Hemmnis oder auch ein Katalysator für mehr/weniger Zuschauer sein kann. Wenn man davon ausgeht, dass ein neues Stadion einen großen Teil dieser Probleme löst, ist eine spürbare Erhöhung des Zuschauerschnittes zumindest nicht unwahrscheinlich. Dass im Umfeld ein gewisses Potenzial schlummert, beweisen die aktuellen Entwicklungen, die nicht zuletzt auf die gute Arbeit der neuen Verantwortlichen zurückzuführen sind, ja eindeutig.

Der Trend spricht dagegen

Was diese Sichtweise ebenfalls verkennt, ist der Zeitraum bis zur Fertigstellung (voraussichtlich Ende 2032) sowie die Tatsache, dass die Attraktivität und die Zuschauerzahl in der DEL2 seit Jahren einen aufsteigenden Trend verzeichnet.

DEL2 · Zuschauerentwicklung seit der Abstiegssaison 22/23

Im Vergleich der durchschnittlichen Zuschauerzahl seit der Abstiegssaison bis heute:

Hauptrunde

2.4373.716+52,5%
22/2325/26

Playoffs

4.2154.696+11,4%
22/2325/26

Quelle: del-2.org

Als Argument könnte man sicherlich anführen, dass das Bild durch die hohen Zuschauerschnitte von Düsseldorf und Krefeld verzerrt werden würde, jedoch zeigt sich auch an den zuschauerschwächeren Standorten eine Steigerung der durchschnittlichen Zuschauerzahlen seit der Abstiegssaison 22/23 – bei EHC Freiburg sogar trotz altem Stadion.

Crimmitschau

2.0382.895+42,1%
22/2325/26

Freiburg

2.0382.464+20,9%
22/2325/26

Wie man also sieht, ist die Zuschauertendenz an allen Standorten im betrachteten Zeitraum zunehmend.

Eine Einordnung

Nur sehr wenige fordern ernsthaft eine „State-of-the-Art"-DEL-Arena wie die SAP- oder die Uber-Arena oder den SAP-Garden. Dies ginge auch an der Realität sowie der absehbaren Zukunft des Heilbronner Eishockeys vorbei.

Wenn aber jetzt der lange gehegte Wunsch des Umfeldes nach einem neuen Stadion Realität wird, sollte man aus meiner Sicht jedoch bereits jetzt zumindest versuchen das Beste zu erreichen, das realistisch umsetzbar ist, anstatt sich auf eine vage Ausbaumöglichkeit zu verlassen. Diese hätte drei große Nachteile:

  • Man wäre noch einmal darauf angewiesen, dass die Stadt Mittel dafür bereitstellt.
  • Der Umbau müsste ohne Probleme ausgeführt werden können – die Renovierung des Eisstadions in Höchstadt sollte dabei als mahnendes Beispiel dienen.
  • Ein eventueller Ausbau wäre sicherlich nicht zeitnah nach Fertigstellung des Stadions zu erwarten, sodass eine adäquate Kapazität erst deutlich später (in den 2040er Jahren?) hergestellt werden könnte.

Fazit

Ich appelliere ausdrücklich daran, die bisher vertretene Haltung bezüglich der Stadionthematik noch einmal zu überdenken. Letztlich stellt der Neubau für Heilbronn und fürs Heilbronner Eishockey eine Chance dar, die bedeuten würde, dass das höchste der Gefühle nicht die graue Maus der DEL2 wäre, sondern man (zumindest von der Stadioninfrastruktur betrachtet) auch in dieser Liga ambitioniert mitspielen könnte. Die Tatsache, dass man sich aktuell „nur" in der Oberliga befindet, darf dabei nicht der (einzige) Maßstab sein, sondern die Ambitionen des Standortes sollten bereits jetzt berücksichtigt werden. Wir brauchen aus meiner Sicht in dieser Thematik mehr „Wohin wollen wir?" und weniger „Wo sind wir jetzt?", denn ein gewisser Mut wird benötigt werden, um gesteckte Ziele zu erreichen, wenn sie ambitioniert sind.

Ob es am Ende 3700, 4000 oder 4500 Zuschauer sind, die maximal in die Halle können werden ist dabei für mich erstmal nebensächlich. Fürs Erste würde mir die Einsicht reichen, dass eine Halle mit 3000 Zuschauern eben nicht ausreicht, um dem Heilbronner Eishockey infrastrukturell die Zukunft zu bieten, die es verdient.


Quellen

  1. Kai Sellers, Dominik Buchta, Agnes Christner – zitiert nach: Heilbronner Stimme