Kaufbeuren spielt in einer eigenen Liga, im Tabellenkeller gibt's die größte Wackelpartie der ganzen Prognose, und bei unseren eigenen Falken ticken wir mal wieder ziemlich gleich: Wir haben, unter anderem auch getrennt voneinander, die komplette Oberliga Süd durchleuchtet, alle 14 Teams seziert und unsere eigene Tabelle für die Saison 2026/27 getippt. Ganz oben sind wir uns fast überall einig, ganz unten liegen unsere Tipps bei manchen Teams dagegen meilenweit auseinander. Hier kommt die komplette Prognose, inklusive Kadercheck, aller Fragezeichen und der Stellen, wo wir uns intern so richtig uneinig sind.
Der Solo-Favorit: ESV Kaufbeuren
Bei einem Team gibt es für uns beide keine Diskussion: Der ESV Kaufbeuren spielt in dieser Saison in einer eigenen Liga, mit Top-Trainer, Top-Kontingentspielern, Top-Ü-Spielern und mit Quapp und Babulis gleich zwei Top-Torhütern, dazu mit Sicherheit dem höchsten Etat der Liga. Für Pascal ist das ein „No-Brainer" und der klare Aufstiegsfavorit Nummer eins, und auch Julian sieht es ähnlich: Wenn alles klappt, war der Abstieg für Kaufbeuren am Ende nur ein Ausrutscher.
Das Verfolgerfeld: Platz 2–4
Auch beim Verfolgerfeld hinter Kaufbeuren landen wir exakt gleich.
| Team | Julian | Pascal |
|---|---|---|
| Deggendorfer SC | 2. | 2. |
| Tölzer Löwen | 3. | 3. |
| Selber Wölfe | 4. | 4. |
Deggendorfer SC
Hauptrundenmeister und Vorjahresfinalist Deggendorfer SC sehen wir beide auf Platz 2, weil die gehaltenen Kontingentspieler, allen voran die Zwillinge Dylan und Ty Jackson sowie Harrison Roy, zusammen mit den gezielten Verstärkungen im deutschen Kern durch Weyrauch und Kaiser für hohe Kontinuität auf allen Positionen sorgen; dazu kommt mit Pielmeier einer der stärksten Torhüter der Liga. Insgesamt zwar nicht ganz so stark besetzt wie Kaufbeuren, aber für uns beide dennoch die „klare Nummer 2".
Tölzer Löwen
Die Tölzer Löwen sehen wir ebenfalls übereinstimmend auf Platz 3, denn sie bringen ein solides Fundament über fast alle Kaderbereiche mit, allen voran Top-Kontingentspieler Piiponen, der letzte Saison mit 101 Punkten (52 Tore, 49 Assists) dreistellig gepunktet hat und damit ihr Aushängeschild ist. Die verlorenen deutschen Top-Scorer sollen nun durch Wenzel und Ex-Falke Lautenschlager aufgefangen werden. Von allen Bereichen fällt für Julian am meisten das Tor ab: Salvarani ist kein Top-Goalie der Liga, und Bittner ist als junger Goalie erst auf dem Weg dorthin. Liefern die Kontis aber wie im Vorjahr, ist Tölz für Pascal in der Breite besser besetzt als ein Großteil der Liga, sodass sich Platz 3 vom letzten Jahr wiederholen lassen sollte.
Selber Wölfe
Die Selber Wölfe komplettieren das Verfolgerfeld für uns beide auf Platz 4, auch wenn der starke Vorjahres-Vierte mit Gauch einen der besten Offensivverteidiger der Liga und mit Schutz einen der besten Sniper der Liga an die HEC Falken verloren hat. Ersetzt werden sollen sie durch Brown (60 Punkte in Bayreuth) und Boyko (ebenfalls 60 Punkte, zuletzt in Füssen), dazu soll Lahtinen helfen, wobei Boyko allerdings schwerer verletzt sein und Gerüchten zufolge mindestens bis nächstes Jahr ausfallen soll, weshalb spannend wird, ob Selb auf dem Transfermarkt noch einmal nachlegt. Defensiv soll zudem Sören Sturm den Part von Gauch übernehmen. Julian sieht vor allem Trainer Huber als Fragezeichen, der erst seit Februar im Amt und mit 32 Jahren selbst noch sehr jung ist, und fragt sich außerdem, ob man die Persönlichkeiten Sturm und Weiß bei Laune hält, wobei Weidekamp für ihn immerhin ein super Rückhalt im Tor bleibt. Geht der Umbau-Plan auf, winkt für Pascal Platz 4.
Falken: Wir tippen beide Platz 5
Die Defensive und die Top 6 sind sehr stark besetzt, dazu gab es in der Vorbereitung viele positive Eindrücke, auch wenn der Kader im Vergleich zu den Top-Teams nicht so breit aufgestellt ist. Ein großer Teil des Etats steckt in der Verteidigung, was wir im Podcast selbst schon kritisch gesehen haben, auch wenn sich das aktuell durchaus positiv bemerkbar macht, weil die Defensive sehr gut steht.
„Kaufbeuren spielt mit dem größten Etat der Liga in einer eigenen Welt, da führt kein Weg dran vorbei. Dahinter dürften Deggendorf, Tölz und Selb in den Top 4 gesetzt sein. Nach einer starken Vorbereitung sehe ich unsere Falken auf Platz 5 – ob's für einen Angriff auf die Spitzengruppe reicht, entscheidet sich im Saisonverlauf und im Lazarett."
Julian
Die dritte Konti-Stelle hätten wir trotzdem lieber im Sturm statt in der Verteidigung gesehen, auch wenn das nichts Persönliches gegen Curtis Roach ist, der uns bisher überzeugt hat und sehr abgezockt wirkt. Kurz vor Vorbereitungsbeginn hat man mit Spurgeon zudem einen der besten Spieler der Liga bekommen, der den Kader extrem aufwertet, von Leadership über Bullyspiel und Arbeitsmoral bis zu Scoring und Präsenz vor dem Tor. Auch Schutz und Nemec sind längst voll angekommen: Schutz steht bei 7 Toren und 3 Assists in 5 Testspielen, während Seewald am letzten Vorbereitungswochenende extrem aufgedreht und einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen hat.
Wenn die Förderlizenzspieler aus Bietigheim regelmäßig mit dabei sind, allen voran die Stürmer Ziergiebel, Topscorer der letzten DNL-Saison, sowie sein direkter Verfolger Franzese, zweitbester Scorer der DNL, ist auch ein Angriff nach oben durchaus möglich, sofern der Kader zudem von größeren Verletzungen verschont bleibt.
„Kaufbeuren als Maß der Dinge, verfolgt von Tölz, Deggendorf und Selb. Danach ist die Jagd auf die Plätze jedoch völlig offen. Die Falken machen einen guten Eindruck; bleiben wir von längeren Verletzungen verschont, scheint sogar ein Angriff auf den letzten Platz der Top 4 nicht unmöglich!"

Pascal
Realistisch bleiben wir aber trotzdem, denn es ist das erste Jahr für den neuen Verein, und auch wenn mit Jason O'Leary ein absoluter Top-Mann an der Bande steht, hat es sich schon immer besser bewährt, niedrigere Erwartungen zu haben und sie dann zu übertreffen, als hoch zu fliegen und tief zu fallen. Spannend wird für uns vor allem, wie sich die jungen Spieler im Kader entwickeln.
Das enge Mittelfeld
Hier gehen wir am stärksten auseinander, denn gleich fünf Teams tauschen bei uns munter die Plätze, sodass am Ende die ganze Tabellenregion zwischen Platz 6 und 12 liegt, je nachdem wen man fragt.
| Team | Julian | Pascal |
|---|---|---|
| EC Peiting | 6. | 7. |
| EV Lindau Islanders | 7. | 6. |
| SC Riessersee | 8. | 8. |
| Erding Gladiators | 9. | 10. |
| HC Tigers | 12. | 9. |
EC Peiting
EC Peiting hat seine Top-Scorer gehalten und bringt mit dem 43-jährigen Dibelka einen verlässlichen Scoring-Garanten mit, dazu kommt mit Glas-Bader ein Neuzugang, der in Riessersee nicht mehr das gezeigt hat, was er zuvor schon angedeutet hatte. Laut Julian ist das Tor zwar solide, mehr aber auch nicht, sodass die große Frage bleibt, wer neben den bekannten Namen noch punktet, während Peiting für Pascal auch für die höher getippten Teams ein sehr unangenehmer Gegner ist, sofern die Kontingentspieler ihre Form bestätigen.
EV Lindau Islanders
Die Islanders setzen ihren Aufwärtstrend der letzten Jahre fort: Der deutsche Kern wurde mit Verelst und Gams verstärkt, auch wenn mit Topscorer Eetu Elo (32 Tore, 61 Punkte) und Zan Jezovsek (54 Punkte) gleich zwei Kontingentspieler nicht mehr dabei sind. Julian sieht den neuen Cheftrainer Marko Šakić, für den es die erste Chefposition in der Oberliga ist, zwar als Fragezeichen, lobt aber gleichzeitig den stabilen deutschen Kern. Pascal geht sogar noch weiter: Klappt es mit den neuen Kontis oder im Kollektiv, sieht er Lindau „brandgefährlich" und auf einem Level mit den Falken.
SC Riessersee
Beim SC Riessersee sehen wir ähnliche Probleme: Sie liegen für uns beide in der Torhüter-Situation und der Kadertiefe. Mit Porsberger, der viel DEL2-Erfahrung mitbringt, und Soudek, der wohl den deutschen Pass bekommt und dem Team damit quasi einen vierten Kontingentspieler beschert, hat Riessersee laut Pascal in den vorderen Sturmreihen zwar durchaus gute Spieler, die Gegnern wehtun können, aber danach wird es eben dünn, auch beim Scoring-Potenzial. Dazu kommt Torhüter Mechel, der letzte Saison nur auf eine Fangquote von 86 Prozent kam, was aus Julians Sicht viel zu wenig für einen Starter ist. Die dünne Kaderbreite dahinter drückt uns am Ende beide auf Platz 8.
Erding Gladiators
Die Gladiators waren in der Vorsaison Tabellenletzter, obwohl viel Geld für große Namen verbrannt wurde. Fraglich ist zudem, wie viel Routinier Rene Röthke im Alter von 44 Jahren noch leisten kann; außer beim von Passau abgeworbenen Buster Larsson, ihrem besten Konti, sieht er vor allem Fragezeichen, sowohl bei den übrigen Kontingentspielern als auch beim deutschen Scoring. Pascal dagegen blickt optimistischer auf die jungen Neuzugänge Sivic und Zap, die anderswo in der Oberliga schon aufgefallen sind, sowie auf die Scoring-Power aus der Defensive durch Eberhardt und Spacek, wobei seine Bedingung bleibt: Nur wenn Zabolotny fit bleibt, reicht die klare Verbesserung auch für die Pre-Playoffs.
HC Tigers
Beim Liga-Neuling gehen unsere Einschätzungen am weitesten auseinander: Julian tippt Platz 12, weil die Vitas der Kontingentspieler wenig versprechen und der Kader, auch im Tor, sehr jung ist, während Pascal dagegen Platz 9 sieht, weil viele junge, hungrige Spieler auf spannende Kontis treffen. Sein Fazit passt dabei gleich für die ganze Tabellenregion: Sie ist schwer einzuschätzen, weil das untere Drittel insgesamt wahnsinnig eng beieinanderliegt.
Unteres Drittel
Ganz unten geht es vor allem um dünne Kader und viele offene Fragen, mit einer Ausnahme: Bei einem Team sind wir uns extrem uneinig.
| Team | Julian | Pascal |
|---|---|---|
| EV Füssen | 10. | 13. |
| Höchstadter EC | 11. | 12. |
| Stuttgarter EC | 13. | 11. |
| EHF Passau Black Hawks | 14. | 14. |
EV Füssen
Hier liegen wir am weitesten auseinander, gemeinsam mit den Tigers ist das sogar die größte Differenz der gesamten Prognose. Julian tippt Platz 10 für den vermutlich etatschwächsten Klub der Liga, weil der Kader jung und beide Stürmer-Kontis relativ unerfahren sind, sodass sich die Frage stellt, ob sie die abgewanderten Boyko und Neudecker ersetzen können; immerhin sorgt Straub mit solidem deutschem Scoring (letzte Saison 51 Punkte) für etwas Sicherheit. Pascal sieht dagegen in der Verpflichtung von Klikorka, dem Verteidiger des Jahres der Oberliga Süd, einen echten Transfercoup, auch wenn die anderen beiden Kontingentspieler für ihn „Wundertüten" bleiben; und auch wenn er den Ansatz schätzt, junge Spieler aus der Region einzubauen, hält er den Kader insgesamt für zu dünn, weshalb er auf Platz 13 tippt.
Höchstadter EC
Der Höchstadter EC zeigt für uns beide das gewohnte Bild: ein dünner Kader, aber interessante eigene Spieler. Der Lichtblick ist der oberligaerfahrene Konti Harrogate. Dazu kommt Jake Fardoe, sicherlich einer der besseren Offensivverteidiger der Liga, vor allem weil er mittlerweile einen deutschen Pass erhalten hat und damit nicht mehr unter die Konti-Regelung fällt. Allerdings hinterlässt der nach Heilbronn abgewanderte Anton Seewald, bisher die Lebensversicherung der Panzerechsen, große Fußstapfen, die erstmal wieder gefüllt werden müssen. Julian sieht beim Konti Eriksson ein kleines und bei Malinowski ein großes Fragezeichen, dazu bleibt die Kaderbreite eine Schwachstelle, wobei entscheidend wird, ob Leih-Torhüter Luca Ganz von seinem Stammverein Bad Nauheim regelmäßig abgestellt wird. Pascal traut den Höchstädtern aber durchaus zu, wie schon öfter zu überraschen.
Stuttgarter EC
Für Julian sind die Stuttgarter schon in der dritten Saison in Folge auf Platz 13 unterwegs, woran auch der erfahrene Neu-Trainer Coolen aus seiner Sicht noch nichts ändert, auch wenn gute Goalie-Talente jetzt den Sprung schaffen könnten und Pistilli endlich den deutschen Pass hat. Pascal dagegen sieht die Stuttgarter breiter mit eigenen Spielern aufgestellt, ohne Experimente mit unklaren deutschen Pässen und insgesamt qualitativ verbessert, auch wenn ihm für den „ganz großen Coup" in die Pre-Playoffs die großen Unterschiedsspieler fehlen.
EHF Passau Black Hawks
Ganz unten sind wir uns ausnahmsweise einer Meinung: Passau landet bei uns beiden auf dem letzten Platz. Julian glaubt nicht, dass sich das Risiko auf der Trainerposition auszahlt, denn der neue Coach Dan Reja ist zwar Kanadier, war aber noch nie zuvor in Deutschland tätig, sondern zuvor türkischer Eishockey-Nationaltrainer und davor Nationaltrainer in China sowie bei Chinas U18-Team. Er hält die Kontingentspieler für okay, aber nicht mehr, und sieht viel Last auf dem stabilen deutschen Torhüter Eisenhut, der allerdings nur im oberen Mittelfeld der Liga-Goalies einzuordnen ist. Pascal attestiert „viel Oberliga-Durchschnitt": Die Kontis kommen aus Erding und Stuttgart, wo man sich jeweils gegen eine Verlängerung entschieden hat, dazu Planics, der in Duisburg neben Verletzungsproblemen sportlich nicht immer überzeugte, sodass am Ende nur Andrew Schembri bleibt, mit 44 Jahren laut Pascal „immer noch eine Granate", aber allein eben nicht genug.
Fazit
Für uns ist die Top 4 eigentlich gesetzt: Kaufbeuren vorneweg, dahinter Deggendorf, Tölz und Selb, während unsere Falken diese Gruppe dicht auf den Fersen verfolgen, sodass spannend wird, ob sie dort tatsächlich reinstechen und jemandem ein Bein stellen können. Sonst erwartet uns wie gewohnt ein sehr enges Mittelfeld, und im Tabellenkeller vermutlich die üblichen Verdächtigen.

