Morgen geht es schon weiter mit den munteren Spielen und ich muss zugeben – es kribbelt schon wieder. Der Saisonstart hat auch mir viel Freude bereitet und gibt mir Anlass und auch Motivation mich mit der Frage zu beschäftigen, wie's hier weitergehen könnte.
Für die Falken stehen zwei Spiele gegen Gegner an, denen man, wenn man rein aufs Papier schaut, favorisiert gegenübertritt. Doch diese Spiele sind für mich trotzdem als eine Art Standortbestimmung zu verstehen.
Unterschiedliche Ausgangssituationen
Zunächst trifft man mit den Höchstadt Alligators im heimischen Stadion am Europaplatz auf ein Team, dass nach einem überraschenden Auftaktsieg gegen Lindau (7:4) eine Niederlagenserie von drei Spielen (5:8 gegen Passau, 1:2 gegen Stuttgart und 0:1 gegen Füssen) mit nach Heilbronn bringt und sich aktuell in den unteren Tabellenregionen bewegt.
Am Sonntag wartet dann die vielleicht größte Überraschung der bisherigen Saison, die HC Tigers, und der erste Auftritt der Falken in Dornbirn steht an. Diese Tigers haben 3 ihrer ersten 4 Spiele gewonnen (4:3 gegen Selb, 4:3 gegen Stuttgart und 8:3 gegen Passau), einzig gegen Lindau gabs im Bodensee-Derby eine deutliche 2:6 Schlappe. Aktuell stehen sie auf Platz 3 der Tabelle, nur hinter zwei den HEC Falken bereits bekannten Gegnern, dem Deggendorfer SC und den Tölzer Löwen.
Die Falken im Detail
Bevor ich aber eine Einschätzung abgebe zu den Spielen, lohnt sich vorher ein genauerer Blick auf die Falken.
Also: was funktioniert, woran fehlt es noch?
Wie schon in der Schule gelernt beginne ich beim Feedback immer mit etwas positivem und davon gibt es durchaus einiges, wie ich finde.
The good
Zuallererst zu nennen: das Tor!
Flo Mnich, der alle bisherigen Spiele bestritten hat steht nach 4 Spielen bei einer Fangquote von 95,0% bei 120 Schüssen auf sein Tor und somit bei einem GAA von 1,47 – überragend!
Eng verknüpft damit: die Defensive!
Die HEC Falken haben in ihren bisherigen 4 Spielen 8 Gegentore kassiert, das entspricht 2 Gegentoren pro Spiel gegen die aktuellen Platz 1, 2 und 2x 6. Dazu stellt die Defensive mit Thomas Gauch noch den aktuell zweitbesten Scorer der Mannschaft. Bisher ist sie genau das Prunkstück, das man sich bei einem Blick auf den Kader erhofft hat – Chapeau!
Ebenfalls zu nennen: PK!
Die HEC Falken killen aktuell 92,9% ihrer Unterzahlsituationen und hat nach 14 Anläufen der Gegner erst ein Tor in Unterzahl kassiert – beides Bestwerte in der Liga!
Diese Aufzählung ist sicherlich nicht abschließend, sondern nur einige Aspekte, die mir bisher positiv aufgefallen sind.
The not so good
Wo Licht ist, ist immer auch ein wenig Schatten. Deshalb folgt an dieser Stelle ein Blick auf einige Aspekte, die bisher nicht so laufen.
Die Scoringeffizienz:
Die Falken haben in den vier gespielten Spielen 125 Schüsse aufs gegnerische Tor abgegeben (keine Garantie für Richtigkeit, aber der DEB gibt das an) und dabei nur 9 Tore erzielt – nur 7,2% der Schüsse finden den Weg ins Tor. In diese Kategorie sind nur Füssen, Kaufbeuren und der SC Riessersee schlechter.
Zum Vergleich: im Mittelfeld würde man mit einer niedrig zweistelligen Prozentzahl bewegen.
Das Powerplay:
So gut das PK bisher auch funktionieren mag, so wenig geht in eigener Überzahl bisher zusammen. Gerade mal in 9,1% der Überzahlsituationen erzielen die HEC Falken aktuell ein Tor, in Zahlen: 1/11! Nur Stuttgart schneidet mit 6,7% noch schlechter in dieser Kategorie ab. Dazu kommt noch ein Gegentor in eigener Überzahl, das zudem nicht unwichtig für den weiteren Spielverlauf war.
Das Top-Line-Scoring:
Auch wenn Jason O'Leary im Podcast betont hat, dass er den Begriff der Top-6-Stürmer nicht mag, müssen wir das kurz ansprechen. Spurgeon, Schutz und Nemec hatten wir vor der Saison als Säulen des Scorings identifiziert. Die drei stehen aktuell kombiniert bei 1 Punkt und +/- 0. Zu allem Überfluss hat sich Nemec jetzt noch verletzt.
Aber fairerweise: die Gegner waren bisher nicht dankbar für die Top-Reihe und es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis die genannten Spieler ins Scoring finden, denn die Qualität ist zweifellos da.
Fazit und Ausblick auf die kommenden Spiele
Wie man sieht: vieles funktioniert schon wirklich gut und einiges noch nicht so gut. Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass die Mannschaft Wege findet, die Spiele trotz ihrer Defizite auf ihre Seite zu ziehen durch Willen, Einsatz und Cleverness. Das ein oder andere Problem wird die Zeit sicher lösen, die bei einem fast völlig neu zusammengestellten Team, ein noch größerer Faktor ist als bei einem eingespielten.
Nun zu den kommenden Spielen:
Höchstadt war schon immer ein unangenehm zu bespielender Gegner, mit dem man sich schwergetan hat. Dennoch sollte es der Anspruch der HEC Falken sein vor allem zuhause die drei Punkte einzufahren, insbesondere, wenn man an einem Zeitpunkt aufeinandertrifft, wo für den Gegner wenig zusammenläuft – auch mit den verletzungsbedingten Ausfällen von Nemec und Roach. Wichtig dabei wird weiterhin eine konzentrierte Defensivleistung sein und idealerweise wird diese ergänzt durch eine effiziente Offensivleistung. Klappt dies, warten 3 Punkte, da bin ich sicher!
Die Defensive wird in Dornbirn ebenfalls im Fokus stehen: die HC Tigers haben bereits 18 Tore geschossen, das entspricht 4,5 Toren pro Spiel! Schlüssel zum Sieg wird dort sein, sich nicht auf ein munteres Scheibenschießen einzulassen, sondern taktisch diszipliniert aufzutreten. Wenn das gelingt, bin ich davon überzeugt, dass sich die Qualität der HEC Falken durchsetzen wird.
Wie oben erwähnt: ideale Standortbestimmung. Ein Team, dass (wenn auch überraschend) oben in der Tabelle steht und eins, das ziemlich weit unten steht. Das Wochenende wird ersten Aufschluss darüber geben, ob's die Falken ihren Artgenossen gleichtun und im Winter gen Süden (der Tabelle) ziehen oder aber, ob mit der Neugründung der HEC Falken ein Teil Eisbären-DNA übergegangen ist (die ja bekanntlich am Nordpol leben 😉).
Ich bin jedenfalls gespannt auf spannende Spiele!


